089 München

089 München

Wenn von „München“ die Rede ist, dann wird damit längst nicht mehr die bayerische Landeshaupt-
stadt alleine identifiziert, sondern die Stadtregion. München ist ein Siedlungsverbund aus der Lan-
deshauptstadt München und ihren Umlandgemeinden inmitten von acht Landkreisen mit insgesamt
185 Gemeinden.
Mehr als die Hälfte der Menschen in der Region lebt außerhalb der Kernstadt München; immer
mehr Menschen leben und arbeiten in regionalen Beziehungen. Die Menschen identifizieren sich
schrittweise mit ihrer doppelten Eingebundenheit in den (affektiv hoch besetzten) lokalen und in
den - noch mit Distanz wahrgenommenen - regionalen Rahmen.
Die Dominanz der Millionenstadt München prägt ihr unmittelbares Umland, wirkt sich aber auch auf
die sechs Kreisstädte Freising, Erding, Ebersberg, Starnberg, Fürstenfeldbruck und Dachau aus.
Selbst die Planungsregion München (Region 14) ist im Grunde als Betrachtungsraum noch zu eng,
um die vielfältigen funktionalen Beziehungen und Abhängigkeiten Münchens adäquat abzubilden.
Das Gewicht der Solitärstadt München strahlt selbst auf die entfernter gelegenen Städte Augsburg,
Rosenheim, Landshut und Ingolstadt aus. „München“ kann – je nach funktionaler Betrachtung –
auch den gesamten südbayerischen Raum umfassen. Doch sind auch Abhängigkeiten in umge-
kehrter Richtung entstanden.
„Stadt“ ist also nicht mehr Stadt in den engen Grenzen des Burgfriedens, sondern Teil der Stadtre-
gion als dem größeren Ganzen. Zukunftsbilder können weniger denn je nur für die Stadt allein ent-
worfen werden. „Zukunft Stadt“ kann deshalb nicht mehr für die Kernstadt allein, sondern muss für
die StadtRegion gedacht werden. „Zukunft München 2030“ kann daher auch nicht als Zukunft der
Stadt München, sondern muss als Zukunft des Arbeits- und Lebensraumes München gedacht und
behandelt werden. Aus der Sicht von lokalen Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten ist die
StadtRegion – ohne sie trennscharf abgrenzen zu wollen – für Zukunftsvisionen die angemessene
räumliche Bezugsebene.
Die Stadt München bündelt aus historischen Gründen und nicht zuletzt aufgrund ihrer Rolle als
Landeshauptstadt eine Vielzahl von Funktionen in Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Kul-
tur, die weit ins Umland hinausstrahlen und für dieses mit wahrgenommen werden. München ist
immer noch der Ort konzentrierter intellektueller und kultureller Potenziale, und die „Leadership“
Münchens darin wird – bei allen Schwierigkeiten im Verhältnis von Millionenstadt und den Gebiets-
körperschaften im Umland – von diesen auch prinzipiell anerkannt. München hat als urbanes Zent-
rum eine Vordenker- und Vorreiterfunktion, insbesondere indem es die über die Region verteilten
Potenziale bündelt, verknüpft und den regionalen Strukturwandel entscheidend mitgestaltet. Inso-
fern kommt der Stadt München bei der Entscheidung, sich am Städtewettbewerb „Stadt 2030“ zu
beteiligen, die Initiativ- und Entscheidungsfunktion zu, und es liegt auf der Hand, dass die „Zukunft
München 2030“ für den Einflussraum Münchens mitzudenken ist.
Veränderte Rolle von Stadt unter den Bedingungen von Globalisierung
In einer globaler werdenden Welt, getrieben von den Verwertungszwängen der Ökonomie, verän-
dert sich die Rolle von Städten und Regionen nach außen wie nach innen. Stadtregionen sind zwar
die Aktionsräume, von denen aus global operierende Unternehmen agieren, sie verlieren selbst
aber im Zuge der Globalisierung weiter an Einfluss auf die Gestaltung der Ökonomie, hier insbe-
sondere der internationalen Unternehmen. Globalisierung könnte für Regionen wie München nicht
nur Bedrohung und Druck auf bestehende Strukturen bedeuten, sondern auch die Chance, gerade
unter diesen neuen Bedingungen ihre Potenziale weiter zu entwickeln und ihre Position national
und international zu festigen und auszubauen.
Die Region München weist unter den deutschen Agglomerationsräumen und vergleichbaren euro-
päischen Metropolräumen einen hohen Grad interner und externer Vernetzung zwischen den ver-
schiedenen Akteuren und Akteursgruppen auf. Dies geschieht in einem liberalen politischen und
sozialen Klima des Ausgleichs, das nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass München zu
einem wirtschaftlich äußerst erfolgreichen Standort geworden ist, der – weitgehend unbelastet von
sog. Altindustrien – heute von moderner Produktion und vor allem von Dienstleistungsbereichen
geprägt wird. Diese Vernetzungskultur in wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politisch-
administrativen Netzwerken ist in ihrer positiven Wirkung auf den Gesamtstandort München hin zu
sichern, zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

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